Die 2026er Exkursion führte uns in die Schwabenmetropole Stuttgart, denn nach unserem letzten Besuch im Jahr 2018 hat sich dort einiges getan.
Auftakt zum Besichtigungsprogamm am Freitag, den 12. Juni, bildete ein Besuch bei der Stuttgarter Straßenbahn AG (SSB). Zunächst ging es auf eine große Runde durch die SSB-Hauptwerkstatt. Hier werden die mehr als 220 Stadtbahnwagen instand gehalten. Der Weg führte uns durch etliche Teilewerkstätten, in denen einzelne Fahrzeugkomponenten wie z.B. Antrieb, Drehgestell, Radsätze, Bremsanlage, Sitze, Leittechnik, etc. behandelt werden. In der Fahrzeughalle finden neben planmässigen Arbeiten auch Unfallinstandsetzungen statt. Ein modernes Hochregallager verdeutlichte den hohen Stellenwert der Logistik für die heutige Fahrzeuginstandhaltung. Die zahlreichen in der Halle für den Einsatz vorbereiteten Drehgestelle boten willkommene Gelegenheit, die Weiterentwicklung der Fahrwerks- und Antriebstechnik ausgehend von den DT 8.4 aus den 1980er Jahren bis hin zum ganz aktuellen DT 8.15 zu diskutieren.
Anschließend stellte uns im SSB-Zentrum technischer Vorstand und Vorstandssprecher Herr Thomas Moser in einem ebenso informativen wie kurzweiligen Vortrag die aktuellen und geplanten Aktivitäten des Unternehmens vor. Die SSB stellt mit 4.000 Beschäftigten das Rückgrat des Nahverkehrs im Großraum Stuttgart mit seinen gut 1.000.000 Einwohnern dar. Neben dem Stadtbahn- und Busnetz betreibt die SSB auch die Zahnradbahn, die Standseilbahn sowie die Parkeisenbahn im Höhenpark Killesberg. Da im Stadtgebiet Höhenunterschiede von bis zu 250 m zu überwinden sind, werden von der SSB ausschließlich Doppeltriebwagen mit 8 angetrieben Radsätzen einsetzt.
Den Abend verbrachten wir in dem idyllisch im Grünen gelegenen SSB-Veranstaltungszentrum Waldaupark. Hier bot sich die Gelegenheit, in geselliger Runde die vielfältigen Eindrücke des Tages noch einmal zu rekapitulieren.
Die erste Hälfte des Samstags stand im Zeichen des Großprojektes Stuttgart 21. Es begann mit einem Besuch des InfoTurmStuttgart am Hauptbahnhof. Neben einem Gang durch die Ausstellung haben wir in einem Vortrag viel über das Projekt Stuttgart 21, den Ursprung, die Ziele und den Stand der Arbeiten erfahren. Das Projekt beinhaltet deutlich mehr als den in der Öffentlichkeit viel beachteten Umbau des Hauptbahnhofes. Im Rahmen von Stuttgart 21 wird das Schienennetz ausgebaut und der gesamte Bahnknoten Stuttgart neu geordnet. Es folgte ein Gang über die beeindruckende Großbaustelle des neuen unterirdischen Durchgangsbahnhofes und die Umbauten am traditionellen Bahnhofsgebäude.
Nachmittags ging es dann zum Depot der SSB-Zahnradbahn am Marienplatz. Im Zentrum der Besichtigung stand der neue Zahnradtriebwagen S-ZT 4.2. Mit diesen im Bereich zwischen den Fahrwerken niederflurig ausgeführten Fahrzeugen hat die SSB einen wichtigen Schritt für eine gesicherte Zukunft der 140 Jahre alten Zahnradbahn getan. Die von den Stuttgartern liebevoll Zacke genannte Bahn überwindet auf dem Weg vom Marienplatz auf 2,2 km Streckenlänge 210 Höhenmeter bis zur Endstation Degerloch. Abschluß der Besichtigung bildete eine Fahrt mit der Bahn; prächtige Aussicht über das sonnige Stuttgart inklusive.
Nach so viel aktueller Bahntechnik stand am Sonntag die historische Entwicklung der Stuttgarter Straßenbahn im Fokus. Der Tag begann mit einem Besuch des Straßenbahnmuseums in Bad Cannstatt. Bei einer sehr guten Führung durch die Ausstellung gab es neben den Einblicken in die technische Entwicklung von der ersten Pferdebahn bis zum heutigen DT8 auch viele Informationen über die gesellschaftlichen Wechselwirkungen. Höhepunkt des Tages bildete die anschließende Fahrt mit einem historischen Straßenbahntriebwagen hoch hinauf zum Fernsehturm. Der dabei von dem rüstigen Veteranen zu überwindende Höhenunterschied führte den Teilnehmern noch einmal sehr plastisch die besonderen topografischen Herausforderungen der Stuttgarter Straßenbahn vor Augen.